Alternativen zur Fichte

Seit der letzten großen Rodungsperiode im 14. Jahrhundert hat sich die Wald-Feld-Verteilung im Landkreis Landshut nicht mehr wesentlich verändert. Damals mussten viele Waldungen zugunsten der landwirtschaftlichen Bodennutzung weichen. Heute sind noch ca. 22% (ca. 31 000 ha) der Landkreisfläche mit Wald bedeckt. Obwohl dies deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt von rund 36% liegt, sind die Bedingungen für die Forstwirtschaft im Landkreis sehr gut. Dieses liegt vor allem an den sehr fruchtbaren Böden die während der Tertiärzeit (70 Millionen bis 1,5 Millionen Jahre vor Christus) gebildet und vielerorts nach der letzten Eiszeit (vor ca. 10 000 Jahren) von einer fruchtbaren Lößschicht überdeckt wurden. Unsere Böden sind jedoch keineswegs einheitlich sondern weisen eine Vielzahl von Eigenheiten auf. Ein Blick auf die Forstliche Standortskarte zeigt ein Mosaik an verschiedenen Bodentypen.

Leider spiegelt sich dieses Mosaik bei der Baumartenverteilung nicht wieder. Weite Teile des Landkreises sind, ungeachtet der Standortsverhältnisse, von Fichten-Monokulturen bedeckt. Welche Probleme diese Monokulturen mit sich bringen, hat sich in den letzten Jahren gezeigt. Durch die einsetzende Klimaerwärmung (steigende Temperaturen, geringere Sommerniederschläge) wird v.a. die Fichte auf kiesig-sandigen und wechselfeuchten Standorten stark geschwächt, wodurch es zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Borkenkäferbefall kommt. Auf wechselfeuchten Standorten ist zudem das Sturmwurfrisiko der flachwurzelnden Fichte besonders groß. Neben Sturm und Borkenkäfer muss auch in den kommenden Jahren wieder verstärkt mit dem Auftreten der Kleinen Fichtenblattwespe gerechnet werden, die v.a. junge Fichtenbestände schädigen kann. Auch der Rotfäulepilz ist zu nennen, der über die Wurzeln in den Baum eintritt und häufig zu einer Holzentwertung des untersten Stammteils führt.

Überträgt man nun diese Risikofaktoren auf seinen eigenen Wald und erkennt stark gefährdete Waldbestände, stellt sich natürlich die Frage, welche Baumarten als Alternative zur Fichte in Betracht kommen.

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, denn man muss eine Vielzahl von Parametern beachten.

Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass ohne menschlichen Einfluss die meisten Gebiete Bayerns mit Buchenwald oder Buchenmischwald bedeckt wären, da die Buche die breiteste ökologische Amplitude besitzt. Auch bei einer fortschreitenden Klimaerwärmung würde sich die Buche bei uns noch in weiten Teilen im Optimum befinden. Neben der Buche stellen auch Edellaubhölzer wie Bergahorn, Esche und Erle auf vernässten Standorten mit guter Nährstoffversorgung eine mögliche Alternative dar. Auf schweren, wechselfeuchten Böden sollte mit Tanne oder Eiche gearbeitet werden, da diese Pfahlwurzler eine hohe Sturmfestigkeit besitzen. Für Standorte auf denen die Fichte an ihre Trockengrenze stößt, bieten neben Buche und Eiche auch Douglasie und Lärche eine mögliche Alternative. Die Douglasie zeichnet sich vor allem durch seine hohe Wuchsleistung und seine relativ gute Standfestigkeit aus. Wichtigste Voraussetzung für eine Douglasienpflanzung sind neben der richtigen Herkunft und Standortswahl auch angepasste Rehwildbestände, da die Douglasie bis ins Stangenholzalter gerne vom Rehbock verfegt und dadurch stark geschädigt wird. Die europäische Lärche ist besonders für exponierte Standorte (Oberhang, Kuppe) geeignet, da sie ein hohes Lichtbedürfnis besitzt und in Muldenlagen häufig durch den Lärchenkrebs geschädigt wird. Für Lärche und Douglasie bietet sich besonders die Mischung mit der Buche an, da dies sowohl in ökonomischer als auch in ökologischer Hinsicht eine gute Kombination darstellt.

In der forstlichen Praxis ist es zumeist sinnvoll, vorhandene Fichten-Naturverjüngung zu übernehmen und zur Stabilisierung mit den genannten Baumarten anzureichern. Auf welche Alternative nun die Wahl fällt, sollte vom Fachmann vor Ort geklärt werden, da neben den Bodenund Klimaverhältnissen auch die Lage im Gelände (Frostlage etc.), die Lichtverhältnisse und die Konkurrenzvegetation eine entscheidende Rolle spielen.

Ziel der zukünftigen Forstwirtschaft muss es sein, stabile und ertragsreiche Mischwälder anzulegen um das Betriebsrisiko zu minimieren und das Betriebsergebnis zu optimieren.

FOI Wolfgang Forstenaicher