Gut besucht war neulich eine Führung durch den Wald von Ludwig Schlittmeier  in Ratzenstall  bei Reichlkofen.  Das Thema der gemeinsamen Veranstaltung von WBV, Bund Naturschutz und Forstabteilung des AELF Landshut lautete: „ Umbau der Bauernwälder in stabile Mischwälder. „ Gleich das erste Waldbild sorgte für allgemeine Verwunderung:  Ein etwa 25 Jahre alter, sehr gut durchforsteter, gemischter Bestand.  Neben Fichten, Tannen und Kiefern waren Laubhölzer wie Buchen und Eichen zu entdecken. Laut Schlittmeier ist das meiste als Naturverjüngung unter einem Altbestand aufgegangen. Die alten Bäume hat er nach und nach entnommen und den Jungbestand frühzeitig lichter gestellt, sodass sich die Kronen gut entwickeln konnten. Die Reduzierung der Stammzahlen und die Förderung passenden Mischbaumarten bis zu diesem Stadium wird oft vernachlässigt, erläuterte die Revierförsterin Ramona Resch, was zu erheblichen Verlusten an Stabilität und Zuwachs bei den Zukunftsbäumen führt.

Waldbesitzer und Jagdvorsteher Ludwig Schlittmeier bei seinen Ausführungen (Bild: WBV Landshut)

Im nächsten Waldteil zeigte der Waldbesitzer einen etwa 10 Jahre  alten Jungbestand. Tannen, Fichten und einige Laubhölzer hatte er auch hier schon durchgepflegt, nachdem der Altbestand sehr schonend von einem Harvester mit Beifällerunterstützung geerntet wurde. Da kein Zaunschutz zu sehen war, kam die Frage auf, wie insbesondere die vom Wildverbiss gefährdeten Tannen, dies überlebt haben. Dazu musste Schlittmeier, der auch Jagdvorsteher ist, etwas ausholen. Vor  gut 10 Jahren wurde der Unmut der Jagdgenossen immer größer, weil es außer den Fichten, keine Baumart schaffte, unverbissen dem Äser zu entwachsen. Nach vielen Diskussionen schaffte es die Jagdgenossenschaft neue Wege zu gehen. Die Jagdpacht wurde nicht mehr verlängert, sondern seitdem wird in Eigenbewirtschaftung gejagt. Das hat den großen Vorteil,  nicht langfristig an einen Jagdpächter gebunden zu sein. Man suchte sich aktive Jäger, zu denen u.a.  Klaus Wiedmann von BN und Georg Sachsenhauser von BBV gehören. Über eine App-Gruppe sind die Jäger bestens vernetzt und wissen Bescheid wer, wann und wo auf der Pirsch ist. Erfolgreiche Abschüsse können umgehend dem Jagdvorsteher gemeldet werden. So ist ein erfolgreiches Miteinander entstanden und  der junge Wald wächst zur Freude seiner Besitzer ohne aufwendige Schutzmaßnahmen. Eine interessante Frage stellte  Schlittmeier an die Waldbesucher: Was passiert wenn ein Reh tot ist? Rätselraten! Seine Antwort: Es schafft Lebensraum für das Nachbarreh!  Dieser Aspekt  in der Wald-Wild-Diskussion wird leider oft übersehen. Der größte Stress für ein Reh sind zu viele Rehe in einem Revier, Krankheiten und verkehrstote Rehe sind die Folge. Mit der Absenkung der Rehdichte nahmen die Wildbretgewichte kontinuierlich zu und die Verkehrsopfer ab.

Nach so viel  Jagddiskussion gelangte die Gruppe in einen Waldteil, den Schlittmeier als Fichtenacker bezeichnete. Ein 50 jähriger, vorratsreicher Bestand, der nach Auffassung des neuen Abteilungsleiters Forst vom AELF, Christoph Kleiner, durchaus schon wieder einen Eingriff vertragen könnte.   Prof. Hubert Röder  ergänzte, dass im Kleinprivatwald die höchsten Holzvorräte in Europa anzutreffen seien. Um das damit verbundene waldbauliche Risiko abzusenken und Platz für andere Baumarten zu schaffen,  sollten die Wälder öfters durchforstet werden. Dass Schlittmeier sich viele Gedanken zur naturnahen Waldbewirtschaftung macht, konnten die Besucher immer wieder feststellen:  Totholz liegen zu lassen oder Höhlenbäume nicht zu ernten, gehört genauso dazu wie das Einbringen von seltenen Baumarten wie Flatterulme, Elsbeere oder Speierling oder die Saat von Eichen und Buchen.  Zum Abschluss bedankte sich  Ludwig Huber von der WBV  für die vielen praxisnahen Eindrücke und Erklärungen bei Ludwig Schlittmeier.