Kürzlich folgte MdB Florian Oßner einer Einladung des Landshuter WBV-Vorsitzenden Ludwig Huber zu einem Waldbegehung in zwei sehr unterschiedlich geprägte Wälder. Anlass dazu ist die derzeit laufende Novellierung des Bundesjagdgesetzes in welcher die unterschiedlichsten Argumente aufeinanderprallen. Um die Wichtigkeit angepasster Wildbestände praxisnah zu demonstrieren, besichtigte die Gruppe, zu der auch der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Landshut Reinhard Menzel und der WBV-Förster Michael Stanglmayr dazu kam, zwei Waldbilder. Auf der ersten Station, eine Borkenkäfer-Kalamitätsfläche in der Gemarkung Weihmichl, war eine im vorigen Jahr überwiegend mit Douglasien gepflanzte Kultur zu sehen. Förster Stanglmayr erklärte den Zustand der jungen Bäumchen. Fast alle Gipfelknospen waren abgeknabbert und die Prognose für ein Überleben war ziemlich schlecht. Obwohl im angrenzenden Altbestand auch einige Tannen zu sehen waren, fanden die Besucher keine Tannenverjüngung. Beide Indizien lassen eindeutig auf eine zu große Anzahl an Rehen schließen.

Der zweite Ort, nur wenige Kilometer entfernt, im Wald der Universitätsforstverwaltung, zeigte ein ganz anderes Bild. Auf großer Fläche waren verschiedene Baumarten unterschiedlichen Alters in einer bunten Mischung zu sehen. Seit vor über zwanzig Jahren die Jagd im Uni-Wald intensiviert und die alten Bestände lichter gestellt wurden, verjüngt sich der Bestand von selbst, erläuterte Huber. „Es braucht kaum noch gepflanzt, geschweige denn gezäunt werden. Der Waldbesitzer spart sich viel Zeit und Geld und kann seinen Wald sehr naturnah bewirtschaften“, so Huber. Forstdirektor Menzel nahm die vielfach vorgebrachte Befürchtung, dass dazu alle Rehe im Revier erlegt werden müssten, gleich den Wind aus den Segeln. Das Schlagwort „Wald vor Wild“ bedeutet vielmehr: Das Ziel der Hege sind dem Wald angepasste Wildbestände. Das sei gut für einen artenreichen Wald und gut für das Wild, das in optimalen Lebensräumen gesund und reproduktiv leben kann, eine „Win-Win“ Situation.

Schwierige Verhandlungen

Bundestagsabgeordneter Oßner als stellvertretendes Mitglied im Landwirtschaftsausschuss zeigte sich beindruckt von den Ausführungen zur Auswirkung der Jagd auf das Ökosystem Wald und berichtete von den schwierigen Verhandlungen in Berlin bei der Novellierung des Bundesjagdgesetzes. Die Forstministerin Julia Klöckner nimmt angesichts der immensen Schadflächen die Forderungen der Waldbesitzer sehr ernst. „Im jetzigen Gesetzesentwurf steht bereits, dass der Waldumbau durch Naturverjüngung, Pflanzung oder Saat im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen erfolgen soll“, erläutert Oßner und ergänzt: „Es ist im gesamtdeutschen Interesse, dass durch die zahlreichen Kalamitäten unser Wald wieder eine Chance zur Revitalisierung bekommt.“

  

Bild 1: Verbissene Douglasienkultur, Bild 2: Gemischte naturnahe Verjüngung

Nehmen die Sorgen der Waldbauern sehr ernst (v.l.): AELF-Leiter Reinhold Menzel, WBV-Förster Michael Stanglmayr, WBV-Vorsitzender Ludwig Huber (Landshut) und Bundestagsabgeordneter Florian Oßner.